Kuckucksbringen und Kerwe-Onine 2021

Kuckucksbringen und Kerwe-online – eine Erfolgsgeschichte!

Alle Veranstaltungen werden abgesagt! Alle? Nein! Nicht die Mühlbacher Kerwe und das daran anschließende Kuckucksholen am Pfingstdienstag. Das wollten die Verantwortlichen des Heimat- und Verkehrsvereins in enger Zusammenarbeit mit EPPINGEN.org nicht ein zweites Mal hintereinander hinnehmen und so entstand aus einer Idee heraus der Gedanke, den Bewohnern des Steinhauerdorfes die Kerwe zu bringen, in Form der Kerwetaschen. Die 250 Taschen, welche mit kerwetypischen Dingen gefüllt waren, fanden reißenden Absatz und waren innerhalb weniger Tage restlos vergriffen.

Unsere Kerwewecker hatten mit dem Organisieren, dem Richten und schließlich dem Verteilen der Taschen alle Hände voll zu tun. Innerhalb von zwei Tagen lief diese Aktion reibungslos über die Bühne und jeder bekam sein Kuckucksset pünktlich am Pfingstsonntag an die Haustüre geliefert. Was für eine Leistung im Namen des Kuckucks!

Der zweite Teil folgte am Pfingstmontag, abends. Ab 19 Uhr hieß es Showtime. Der Livestream „Kerwe-online“ startete mit dem ca. eineinhalb stündigen Programm aus den „Kuckucksstudios“, die in den Räumlichkeiten der Firma NIVUS kurzerhand eingerichtet werden konnten. Hier waren mit RS Eventtechnik aus Eppingen echte Profis am Werk. Die Umsetzung dieser Idee war aber nur durch den unermüdlichen Einsatz der beiden Mitarbeiter von EPPINGEN.org, Kai Kehrer und Kerstin Lammer, die professionell Regie führten, möglich, Einen fernsehtypischen Charakter verlieh dem Ganzen schließlich noch Moderator Jürgen Nagelschmidt.

Mit dabei waren zahlreiche Gäste, die zu einem abwechslungsreichen Abend rund um die Mühlbacher Kerwe und dem Kuckucksholen beitrugen. Herold, dargestellt von Marco Nerpel, und die Kerwewecker eröffneten die Veranstaltung. Eine Gesprächsrunde, bei der die Initiatoren Steffen Stickel, EPPINGEN.org und Jörg Fundis, HVV, die dreiwöchige Vorbereitungszeit, vom ersten Gedanken bis zur Vollendung des Projekts Revue passieren ließen und weitere Beiträge von Symbolfiguren folgten. Allen voran erneut die Kerwewecker um Uwe Hiebinger und Stefan Schühle. Hier stand unter anderem Historisches im Mittelpunkt, aber auch die Verkostung des Palmbräu Zwickels, welcher unter anderem ja auch in der Kerwetasche war.

Ortsvorsteher Theo Antritter, als Wirt gekleidet, mit dem typischen Steinkrug, aus dem hoffentlich im nächsten Jahr wieder das Freibier ausgeschenkt wird, erläuterte, was das Kuckucksholen für ihn, aber auch für Mühlbach bedeutet.

Begleitet von Anekdoten trat der aktuelle Zugführer, Tobias Holzwarth, mit Frack und Zylinder, vor die Kamera und zeigte, dass Kerwe mehr ist, als nur ein Fest. Es ist ein Gefühl! Und dies wurde allen ganz deutlich, als mit einer Bildershow an den viel zu früh verstorbenen Zugführer Ralf „Anton“ Förster erinnert wurde.

Filme aus vergangenen und aktuellen Zeiten, ebenso die Interviews von Paul Fundis mit Mühlbacherinnen und Mühlbachern rundeten das Programm ab.

Sicherlich ein Höhepunkt war der Auftritt von Cris Cosmo. Er schrieb mit den Begriffen der Zuschauer, die per SMS oder WhatsApp im Studio eingingen, rund um die Kerwe innerhalb der Sendezeit einen BlitzSong. Welch eine Herausforderung, der er sich hierbei stellte. Das Resultat: „Mühlbach, meine Heimat im Kraichgau“ hat Potenzial und kam unglaublich gut an. „Mit der Menge an Begriffen könnte man locker eine Langspielplatte machen“, scherzte Cris am Ende begeistert.

Dass Kerwe ein Gefühl ist, welches in Mühlbach seit Jahrhunderten gelebt wird, zeigte auch die Resonanz der Zuschauer. Nicht nur am Abend, wo die Menschenmassen in Mühlbach und Umgebung, Ansbach, Ostfriesland, aber auch in Österreich und Italien, den USA und Neuseeland, ja der ganzen Welt gebannt vor den Bildschirmen saßen - sondern vor allem die Rückmeldungen bereits während der Sendung und in den anschließenden Tagen waren überwältigend. Die Organisatoren sind sich einig: Der Dank der Zuschauer und die gegenseitige Wertschätzung zeigen, Aufwand und Mühe haben sich gelohnt. Danke Mühlbach!

An dieser Stelle erübrigt es sich eigentlich zu sagen, dass alles ganz coronakonform ablief, allerdings nur durch die Unterstützung der Burg Apotheke Sulzfeld.

Wie bitte? Sie haben die Sendung verpasst oder sind jetzt neugierig darauf geworden? Kein Problem, auf Youtube, unter kuckuck.eppingen.org können sie alles (nochmals) anschauen. Zudem gibt es auch auf KraichgauTV oder landfunker.de einen Bericht über das diesjährige Mühlbacher Kuckucksholen.

Kerwe war, ist und bleibt ein Gefühl!

Das Kuckucksholen

Auszug aus dem Buch „700 Jahre Mühlbach“

Der am Pfingstdienstag, den zweiten Tag der Mühlbacher Kirchweih, gefeierte Frühlingsbrauch symbolisiert aus uraltem Volksempfinden heraus Liebe und Leben in der erwachenden Natur. Dem Kuckuck als dem Verkünder des Frühlings wurden übernatürliche Kräfte beigemessen, die die Jagd auf ihn der Dorfjugend zur Pflicht machten. Seine Ihm zugeschriebene Kraft sollte auf die Jäger übergehen, die den erlegten Vogel im Triumphzug ins Dorf trugen und dort ein Kuckucksessen bereiteten, an dem sie alle teilnahmen. Das Vermummte Pärchen, Liebe und Leben symbolisierend, schützt sich vor den Blicken böser Dämonen, denen die nimmermüde Mehlfrau Staub in die Augen streut, damit die Teilnehmer des Zuges nicht erkannt werden sollen. Der große Zug der Jäger, Metzger und Wirte, des Kuckuckswagens und der begleitenden Personen, trifft sich im Mittelpunkt des Dorfes zum Kuckucksessen, womit der Tag zusammen mit einem Großteil der Bevölkerung beschlossen wird.  

Kuckucksholen 2019

Die Bilder wurden uns bereitgestellt von EPPINGEN.org

Kuckucksbringen